Die halbe Krise oder IT irgendwo zwischen Anspruch & Wirklichkeit - Gastbeitrag von Peter Bergmann
Als IT’ler mit Leib und Seele beschäftige ich mich immer mit Entwicklungen und Trendbeobachtungen, jenseits des täglichen Einerlei. Neben Zornesrot (häufiger) erstrahlt auch mal mein Gesicht ob der guten Ideen, die hier und da nicht diskutiert, nein sogar umgesetzt werden! Aber – nicht zu viel Euphorie; die richtig guten Stories kommen eher nicht aus unserer Branche. Warum eigentlich nicht, was ist passiert?Kluge Marketingspezialisten predigen schon mal die These „Kosteneffizienz & Innovation“, ja gerade in der Krise wirken diese Mittelchen besonders gut. Sehr schön – drei Euro ins Schweind’l. Sie wissen schon, Phrasenabgabe, besser auch Abwrackprämie für Plattitüden.
Es geht noch besser: Im Februar diskutierte ich in einem Workshop eine Lösung für das Anforderungswesen. In der Zusammenfassung kam der Satz schlechthin: „Mit der Lösung sparen wir glatt eine Person ein – das wollten wir so eigentlich nicht!“. Na ja, meine typische Antwort, die freigesetzte Ressource mit gestalterischen, also höherwertigen Aufgaben zu beschäftigen wurde knallhart beantwortet: „Keiner aus dem Team könnte das!“
Natürlich wurde nichts aus der Einführung, die Konsequenzen waren zu unangenehm, verbesserte Businessorientierung findet dort (vorerst) nicht statt. Meine Essenz aus diesem und ähnlichen Erlebnissen kann nur lauten: der Leidensdruck (Sprich: Kostendruck) ist immer noch nicht groß genug - oder anders gefragt: ist diese Krise (aus Sicht der IT) nur halbherzig?
Jetzt und nicht irgendwann - so meine ich - müssen echte Innovationen in die IT rein: durchgängige Service- und Supportsysteme; Architekturen, die nicht nur brav auf Transaktionen warten und diese dann viel zu langsam abarbeiten, sondern Systeme, die von Demand – also auf Anfrage/bei Bedarf die erforderlichen Ressourcen allokieren und dann wieder freigeben. Nicht soviel IT-Bevorratung, mehr Prozessunterstützung, bessere Integration.
Und dabei bitte nicht vergessen, sich selbst mit Fragen der eigenen Fertigungstiefe (Es muss nicht immer der Cayenne-Faktor sein!) beschäftigen und sinnvollen Sourcing-Strategien widmen.
Und das, ohne auf Qualität zu verzichten – ja, das funktioniert!
Aus meiner Sicht gibt es keine Gründe, IT-Budgets zu kürzen und die Ressourcen in eher unkritische Projekte zu stecken – nein zu vergeuden! Mit Mut durch die Krise hat jeder IT-Verantwortliche gute Karten, den Gap zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu schließen. Noch haben IT-Leiter die Freiheit, es zu dürfen; jedoch die Luft wird dünner.
Peter Bergmann, SD-Management GmbH
Autor: Peter Bergmann Gastbeiträge The Gap between IT & Business 17.4.2009

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