CMDB: Zuerst die Hausaufgaben machen...
Configuration Management ist zweifellos eine wichtige Komponente im Service Support, bzw. im Service Transition, wie es im ITILv3 Rahmenwerk genannt wird. Bei der stufenweise Durchsetzung der jeweiligen IT Service Management Rahmenwerken und der anhaltenden Einführung von ITSM Prozessen, haben viele Software-Hersteller nach und nach die Palette ihrer ITSM Applikationen erweitert. Das große Thema ist nach wie vor die CMDB. Einige Punkte rund um die CMDB möchte ich hier ansprechen, bevor Sie sich für ein Tool und/oder einen bestimmten Hersteller entscheiden. Die wichtigste Frage ist sicherlich: Haben Sie Ihre Hausaufgaben schon gemacht?Zuerst eine kleine Anekdote aus einem Kongress im letzten Jahr.
Hier präsentierten sich auch fast alle bekannten Hersteller mit ihren Produkten. Den Vortrag eines Herrn aus dem Nachbarland Österreich fand ich besonders interessant. Er war etwas "anders" als die sonstigen Erfolgsgeschichten. Er berichtete von seinem Auftrag, eine CMDB im Unternehmen aufzubauen.
Im ersten Schritt hat er seine eigenen Hausaufgaben gemacht: Den Configuration Management Prozess durchgearbeitet, Lastenheft definiert, Vorauswahl durchgeführt und vor allem den geschäftlichen Nutzen hinterfragt. Nachdem dies geschafft war, hat er erstmal alle Hersteller ausgeschlossen, da diese Tools den erwarteten Nutzen nicht erfüllen konnten! Die IT seines Unternehmens hat sich dann entschieden, eine CMDB gemäß den vorgeschlagenen Bedürfnissen auf einer im Unternehmen bereits vorhandenen Plattform selbst zu entwickeln. Eine sehr mutige Entscheidung, so finde ich.
Nun könnten Sie sagen, dies ist ein Einzelfall. Wenn ich aber das (immer noch recht aktuelle) Research Paper von Gartner (9. August 2007) lese - speziell das Kapitel "Incomplete CMDB offerings" , dann muss ich dem Kollegen aus Österreich recht geben! Doch kein Einzelfall?
Selbst Gartner, welche die CMDB Hersteller in seinen Magic Quadrant einordnet und bewertet , erstellt keine Studien über Selbstimplementierungen. Von deren Erfolg wissen wir leider wenig, wobei hier wirkliche praktische Erfahrung vorhanden wäre.
Als vor etwa 5 Jahren die ersten Hersteller mit den ersten CMDB Lösungen auf den Markt kamen, war das Ergebnis offenbar ein Missverständnis. Mit dem Begriff CMDB beschrieb ITIL etwas ganz anderes als die Tool-Hersteller am Ende lieferten. Plakativ gesprochen: es war eine etwas besser vernetzte Asset Datenbank. Die Assets wurden in Configuration Items umbenannt, eine Verwaltung der Services und Discovery Tools wurde hinzugefügt. Eine Integration mit ITSM Applikationen war üblich. Im Großen und Ganzen war es aber keine bedeutende Veränderung. Man sah oft eine Neueinführung eines bekannten Produktes unter anderem Namen: CMDB.
Für die Einführung einer CMDB gibt es keinen Königsweg. Trotz vieler guten Whitepaper, die einen bestimmten Weg empfehlen, entscheiden Sie sich für Ihren eigenen Weg!
Für jenen Weg, der zu Ihrem Unternehmen und dessen Kultur passt. Denken sie daran, dass eine CMDB kein Allheilmittel für Ihre Herausforderungen Ihrer IT ist. Und das Wichtigste: gehen Sie einen Schritt zurück und machen Sie sich Gedanken, was diese CMDB eigentlich ist. Es ist eben kein Tool, wie uns viele Hersteller mehr oder weniger stark kommunizieren. Es können durchaus mehrere Datenbanken sein, die bestimmte Daten zur Leistungserbringung beinhalten: Configuration Items, Software Libraries, Asset Verwaltung usw.
Diese Datenbanken werden historisch mit unterschiedlichen Tools verwaltet. Die Hersteller antworten mit Federation & Reconciliation. Weiter versprechen sie, dass durch Discovery Tools alles aus Ihrer Infrastruktur herausgelesen werden kann. Auf den ersten Blick einer mit Infrastruktur und Technik vertrauten Person, ist dies ja keine so schlechte Idee. Ich frage mich nur, ob bspw. Seriennummern von Netzwerkkarten in der standardisierten und modularen Welt der "Clients" und "Workstations" noch eine Rolle spielen?
Wenn Sie ein echter Dienstleister sind oder sich auf dem Weg zu diesem Ziel befinden, sollte Sie der Service zum Kunden interessieren. Beginnen Sie deshalb beim Service (Top- Down), nicht bei Infrastruktur-Komponenten (Bottom-Up). Diese können auch anderswo verwaltet werden. Und für Komplexität gibt es immer Zeit.
Autor: Antonino Spadaro Antonino ITSM Tools 20.5.2008

2 Kommentare
1. Gerry | 04.06.2008 11:49:20
Spannendes Thema eigentlich.
Die letzte Woche war ich auf der Syskop in Weimar und genau das Thema, Problemstellungen etc. der CMDB oder (meine Meinung) besser dargestellt als CMS ( Configuration Management System) war dort brandaktuell und im Fokus.
Klar sagen kann man, dass eine DB alleine nicht die Lösung ist. Selbst die anwesenden Hersteller ( alle grossen) sehen dies auch so.
Ein Entscheid zu einem CMS ist ein stratgeischer und kein technischer Entscheid. Dies ollt eman unbedingt beachten.
Noch schwerer wiegt allerdings, das die Einführung einer CMDB/CMS ein einschneidender Kulturwechsel ist . Und nur wenn dies , mit allen Konsequenzen so verstanden wird, ist man erfolgreich . Und dies nachhaltig und zukunftssicher.
2. Antonino | 09.06.2008 11:30:41
Ob man das CMDB oder CMS nennt, sei hingestellt. Meinetwegen kann man einem solchen Tool oder DB auch den Namen "Mike" oder einen beliebigen Projektnamen geben. Wichtig ist, daß es für den jeweiligen Konteyt passt.
Schön zu hören, daß nun auch die bzw. einige Hersteller nicht mehr die Einführung des Tools im Mittelpunkt sehen und den Top-Down-Ansatz befürworten.